Nachhaltigkeitsberichtspflicht – quo vadis 2025?
Während sich die meisten im Dezember auf die Weihnachtstage gefreut haben, hat die Bundesregierung eine schöne Bescherung angerichtet. Sie hat die lang ersehnte Planungssicherheit für die Nachhaltigkeitsberichtserstattung von kleinen und mittelständischen Büros und Unternehmen mit einem Brief an die EU-Kommission torpediert. Nun stellt sich die Frage, wie sich die Berichtspflicht in 2025 entwickelt – und wie sich Unternehmen verhalten sollten.

01.2025
ISSN 2750-8382
Worum geht es genau?
Am 17. Dezember wurde endlich der VSME-Standard für die Nachhaltigkeitsberichterstattung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) durch die EU-Kommission angenommen. Er komplettiert die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), die Ende 2022 vom EU-Parlament beschlossen wurde. Diese verpflichtet große Unternehmen, ihren Einfluss auf Klima, Umwelt und Gesellschaft zu analysieren und zu verbessern sowie die eigenen Risiken aus klimatischem und gesellschaftlichem Wandel zu minimieren.
Ab 2026 müssen alle Unternehmen, die mehr als 250 Mitarbeitende beschäftigen sowie eine Bilanzsumme von mehr als 25 Mio. Euro und/oder Nettoumsatzerlöse von mehr als 50 Mio. Euro erzielen, einen Nachhaltigkeitsbericht über das Vorjahr vorlegen. Dabei müssen sie auch Auskunft über die Aktivitäten ihrer Geschäftspartner geben – und reichen damit den Druck auch an KMU weiter. Diese erhalten nun mit dem VSME-Standard einen Leitfaden.
Berichtspflicht unter politischem Druck
Doch was vor gut zwei Jahren mit dem Willen zur nachhaltigen Transformation der Wirtschaft auf den Weg gebracht wurde, gerät nun unter politischen Druck. Ja, die Umsetzung in der Praxis ist besonders beim ersten Bericht nicht einfach. Und ja, alle machen aktuell ihre ersten Erfahrungen, sodass viele Fragen auftauchen. Dafür gibt es beispielsweise Übergangsfristen bei der Strenge der Prüfung, ganz abgesehen davon, dass ein Nachhaltigkeitsbericht immer ein Status quo Bericht ist und keine Ziellinie. Wahr ist aber auch, dass sich viele Unternehmen nicht ausreichend vorbereitet haben und nun unter großem Druck stehen.
Die Melange aus Unsicherheit, Versäumnis und realem Aufwand (zeitlich wie finanziell) lässt den Widerstand gegen die CSRD wachsen – und die Tatsache in den Hintergrund treten, dass eine Transformation der Unternehmen aus ökologischen, sozialen und besonders auch aus ökonomischen Gründen sinnvoll bzw. geboten ist.
Aktuell wird der Ruf nach einer Abschwächung und/oder Verschiebung immer lauter. Ende 2024 sendeten Wirtschaftsminister Robert Habeck, Arbeitsminister Hubertus Heil, Justizminister Volker Wissing und Finanzminister Jörg Kukies einen Brief mit der entsprechenden Forderung an die EU-Kommission. Anfang Januar legte Bundeskanzler Olaf Scholz nach und forderte ebenfalls eine Verschiebung.
Notbremsung oder Bruchlandung?
Die Bundesregierung schafft damit eine große Unsicherheit bei allen Unternehmen, die das Thema aktuell angehen wollen oder müssen. Manche KMUs fragen sich, ob sie unter diesen Umständen tatsächlich Geld und Zeit in den Aufbau einer Nachhaltigkeitsstrategie und die Erstellung eines Berichts stecken sollen.
Dabei schwächt Nichtstun die Unternehmen langfristig, denn der Transformationsdruck ist da. Andere werden von kostenpflichtigen Dienstleistern ihrer großen Geschäftspartner unter Druck gesetzt und wissen nicht, was sie dem entgegensetzen sollen. Zudem verlangen auch die Banken Nachweise über entsprechende Aktivitäten bei der Kreditvergabe. Auch hier würde ein verlässlicher Standard helfen, damit nicht jede Bank mit eigenen Formularen arbeitet.
Wie sollten sich Unternehmen nun verhalten?
Unser Ratschlag an alle KMUs: Macht euch schlau, fangt an oder bleibt dran. Denn der CSRD-Zug rollt bereits mit großer Geschwindigkeit. Zudem lässt sich der klimatische und gesellschaftliche Wandel nicht per Brief an die EU aufhalten.
Vielmehr gilt: Wer sich nicht auf die Risiken der geänderten Rahmenbedingungen einstellt und daraus Chancen ableitet, landet irgendwann auf dem Abstellgleis.
Autorin
Geske Houtrouw
wir sind dran : akademie : mitinitiatorin
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Ein Blick in das nbau NACHHALTIG BAUEN Heft 01.2025
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Auf der nbau NACHHALTIG BAUEN Website gibt Geske noch umfänglicher Ratschläge, was kleine und mittlere Unternehmen im Kontext der Nachhaltigkeitsberichtserstattung in 2025 beachten müssen. Hier kannst du dich vertiefend informieren.
Hintergrund
wir sind dran : kolumne
Seit 2025 darf der wir sind dran : verband für jede Ausgabe der nbau NACHHALTIG BAUEN eine eigene Kolumne beisteuern.
Wir danken Bernhard Hauke, Chefredakteur der nbau, sowie der Ernst & Sohn GmbH für die Sichtbarkeit für unsere Themen.
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